Keine Papiere für meldepflichtige Tiere vorhanden – Was nun?

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Immer wieder erreichen mich Anfragen von Leuten, die Tiere gekauft oder aus schlechter Haltung gerettet, aber keine Papiere dazu bekommen haben und nun nicht wissen, wo sie die Papiere für die Tiere herbekommen sollen, um den Bestand korrekt zu melden.

Ich nehme einen aktuellen Fall als Beispiel:

„Guten Tag,
wir haben vor 2 Wochen ein 3 jähriges Lygodactylus williamsi Weibchen aus schlechter Haltung gerettet.
Wie bekomme ich nachträglich Papiere? Sie ist wohl eine Nachzucht, aber der Vorbesitzer konnte mir nur sagen, dass die Züchterin aus Schleswig Holstein käme.“

Zunächst einmal ist es völlig egal, von wo die Züchterin ursprünglich kommt oder kam, entscheidend ist, dass in diesem Fall der Vorbesitzer das Tier bereits im Januar 2015 der zuständigen Behörde hätte melden müssen. 2015 war das noch problem- und relativ formlos möglich.

Seit 2017 unterliegt der Lygodactylus williamsi der höchsten Schutzstufe (Näheres hier) und damit einem Besitz- und Vermarktungsverbot. Es gibt Ausnahmen, aber der Vorbesitzer muss beim Verkauf von bereits gemeldeten Tieren (die der EU-Verordnung nach Anhang A unterliegen) eine Vermarktungsgenehmigung bei der zuständigen Behörde beantragen.
Nur mit diesen vollständigen Papieren darf das Tier den Besitzer wechseln! Dabei spielt es auch keine Rolle, ob das Tier verschenkt oder verkauft wurde.

Ohne Papiere erwerbt und besitzt ihr die Tiere illegal mit allen möglichen Konsequenzen!

Es nützt jetzt alles nichts, wir nehmen mal an, ihr habt ein Tier das meldepflichtig nach der EU-Verordnung ist, aber keine Papiere. Da bleibt euch für eine Legalisierung des Bestandes nur der Kontakt mit der zuständigen Behörde (in Niedersachsen der NLWKN). Dort müsst ihr den Vorgang darlegen und auf Verständnis und Milde hoffen.
Verschiedene Varianten sind dann möglich. In einigen Bundesländern verbleiben die Tiere beim neuen Halter, gehen aber in den Besitz der Behörde über, die für Kontrollbesuche vorbeikommt und die Haltung überwacht. Diese Tiere dürfen bis zu ihrem Tode nicht mehr veräußert oder zur Zucht verwendet werden. Im schlechtesten Fall werden euch die Tiere entzogen.
Im Zweifelsfall solltet ihr vor einem Kontakt mit der Behörde einen Anwalt für Tier- und Artenschutz hinzuziehen.

Weitere Quellen:
CITES-Beschlüsse treten im EU-Recht in Kraft!
Meldepflicht von Tieren in der Terraristik
Meldepflicht: Was muss ich als Halter beachten?
Internationaler Artenschutz CITES – Niedersachsen

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