Haltungsbericht Rieppeleon brevicaudatus

Rieppeleon brevicaudatus

Rieppeleon brevicaudatus gehören zu der Unterfamilie Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae). Nach der Neuordnung der Gattung werde die Brevicaudatus nun der Gattung Rieppeleon zugerechnet, leider immer noch auf Börsen oder nicht aktualisierten Seiten anzutreffen ist die alte Bezeichnung Rhampholeon brevicaudatus.

Rieppeleon brevicaudatusHerkunft & Lebensraum: Das Verbreitungsgebiet von Rieppeleon brevicaudatus liegt in den Usambara-Regenwäldern und den Uluguru-Bergen von Tansania bis zur Grenze nach Kenia in Höhenlagen von 300 bis zu 1500m. Auch in den Küstenregionen würden schon öfter Exemplare gefunden.
Rieppeleon brevicaudatus leben bevorzugt in der unteren Strauchschicht des Waldes, klettern aber tagsüber auch bis zu mehrere Meter hoch im Geäst. Dies sollte unbedingt bei der Einrichtung des Terrariums Beachtung finden. Meines Erachtens tragen Rieppeleon brevicaudatus den deutschen Trivialnamen „Erdchamäleon“ teilweise zu unrecht und wecken falsche Asssoziationen, denn sie halten sich nach meinen Beobachtungen auch sehr oft im oberen Teil des Terrariums auf. Passender ist die Bezeichnung „Stummelschwanzchamäleon“

Schutzstatus: Rieppeleon brevicaudatus haben aktuell keinen Schutzstatus, gelten aber durch Zerstörung des natürlichen Habitats als gefährdet. Aus diesem Grund sollte man dringend von Wildfängen absehen. Abgesehen von dem Stress, dem die Tiere durch den Import ausgesetzt sind und dem sehr wahrscheinlichen Parasitenbefall, kann der Bedarf mittlerweile sehr gut durch Nachzuchten gedeckt werden. Man muss sich nur die Mühe machen, nach seriösen Züchtern Ausschau zu halten.

Lebenserwartung: Im Terrarium können die Tiere bei artgerechter Haltung 5-7 Jahren erreichen. Wobei die Weibchen durch die Belastung der Trächtigkeit im allgemeinen eine nicht ganz so hohe Lebenserwartung haben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei ca. 3 Jahren.

Aussehen & Geschlechtsunterschiede: Ihr Farbmuster ist sehr variabel und reicht von einfarbig dunkelgrau über ein buntes, aus grünen, gelben, beigefarbenen, rotbraunen und braunen Tönen zusammengesetzten Flechtenmuster bis hin zu dunklen Längsstreifen an den Flanken. Durch ihren hohen zusammengedrückten Rumpf, die verschiedenen Farbtöne und die
Gabe sich wie ein welkes Blatt zu krümmen sind sie hervorragend an ihre Umgebung
angepasst.


Der Schwanz der Chamäleons ist sehr kurz und nimmt weniger als ein fünftel, also
1-1,5 cm, ihrer Gesamtlänge ein. Sie benutzen ihn allerdings nicht wie die „echten
Chamäleons“ als fünften Arm zum festhalten, sondern die bewegliche Schwanzspitze
dient nur zum Abstützen.
Rieppeleon brevicaudatus besitzt am Kinn eine, seitlich am Kopf ebenfalls je eine
und an den Unterarmen jeweils zwei vergrößerte Schuppen oder „Dornen“.

Eigenarten: Diese kleinen Chamäleons können beim Gehen im Wind schaukelnde Blätter nachahmen, was ihre Tarnung noch verbessert. Dabei bewegen sie sich ruckartig fort, immer ein kleines Stück nach vorne und wieder nach hinten. Diese Überlebensstrategie nennt man Mimese, im Fall der Rieppeleon eine Blattmimese. Durch sie ist es zu erklären, warum diese meist langsamen Tiere bis heute überleben konnten. Auch machen sich die Tiere so unsichtbar wie möglich, indem sie sich auf die dem „Feind“ gegenüberliegende Seite eines Astes begeben.

Eine ganz besondere Eigenart von Rieppeleon brevicaudatuss ist das „Vibrieren“.
Sobald sie sich bedroht fühlen, aber auch wenn ein Männchen auf ein Weibchen
zugeht, beginnen die Tiere innerhalb des Körpers zu vibrieren.

Häutung: Die Häutung erfolgt schnell und problemlos in fast einem Stück. Zuerst reißt die Haut an den Seiten des Körpers auf und beginnt dann, sich nach oben und unten zu lösen. Als letztes löst sie sich vom Schwanz und Kopf, sodass das Chamäleon wie einen Schleier über dem Rücken hat. Ein Teil der Haut wird gefressen, selten alles. Voraussetzung für die problemlose Häutung jedoch ist die Luftfeuchtigkeit. Wenn diese zu gering ist, löst sich die Haut nicht richtig und das Tier kann die alte Haut nicht abstreifen.

Dagegen bei einer zu feuchten Haltung können bereits gehäutete Hautpartien verkleben und lösen sich nicht vollständig. Wenn eine der beiden Möglichkeiten in Erscheinung tritt, sollten die Haltungsbedingungen überprüft werden und bei der Häutung nachgeholfen werden. Dazu werden die betroffenen Hautpartien mit einer lauwarmen Kamillelösung eingeweicht und vorsichtig mit einer stumpfen Pinzette abgelöst. Wenn die Hautfetzen am Körper bleiben, kann es zu Durchblutungsstörungen und im schlimmsten Fall zum Absterben ganzer Gliedmaßen kommen. Deshalb müssen sie unbedingt entfernt werden.

Terrarium & Gestaltung: Die Terrariengröße sollte die Mindestgröße von 40x40x60cm (LxBXH) für eine Pärchenhaltung nicht unterschreiten. Bei einer Gruppenhaltung von 1.2 oder 1.3 muss das Terrarium entsprechend in die Breite wachsen. Die Höhe von 60cm sollte keinesfalls unterschritten werden, da der Bodengrund schon 5-10cm Höhe „verbraucht“ und die Tiere sich abends zum schlafen gerne auf die höheren Äste zurückziehen.

Terrarium Rieppeleon brevicaudatus

Terrarium Rieppeleon brevicaudatus

An mind. 2 besser 3 Seiten sollten Korkplatten zum klettern und als Sichtschutz für die Tiere angebracht werden.
Absolut lebensnotwendig sind große Lüftungsflächen, da Chamäleons Frischluftfanatiker sind. Dazu müssen z.B. der Deckel und die Türen oder die Seiten aus großen Gazeflächen bestehen. Bei zu geringer Lüftungsfläche können die Tiere sehr schnell an Augen- oder Lungenkrankheiten zu Grunde gehen. Die zu geringe Durchlüftung war in der Vergangenheit oft ein Grund für die nur sehr kurze Lebensdauer von Chamäleons in der Terraristik.

Der Bodengrund sollte aus einer Schicht Seramis oder Tonkügelchen bestehen. Darauf gehört eine wasserdurchlässsige Fleece Schicht, damit die sich nicht mit der Humus-Erdschicht vermischt und somit verschlammt.Drainage Schicht Regenwald Terrarium

Die mind. 5cm hohe Erdschicht besteht bei uns aus einem ungedüngtem Kokoshumus-Sandgemisch. Auch Walderde wäre möglich.
Es wird empfohlen, den Bodengrund mit weißen Asseln und Tropischen Springschwänzen anzuimpfen. Diese können als Nahrung dienen, aber in der Hauptsache die Aufgaben einer natürlichen Müllabfuhr (Schimmel, Kot, tote Pflanzen) übernehmen.
Auf die Erdschicht sollte eine großzügige Schicht mit Moos, Eichen- oder Buchenlaub und Rinde aufgebracht werden. Bitte beachten Sie, dass die Weibchen die Eier vergraben und bei nicht ausreichender Substrathöhe in Legenot geraten und versterben können.

Terrarium Bepflanzung

Terrarium Bepflanzung

Als Bepflanzung sollten in jedem Fall echte Pflanzen verwendet werden. Zum einen, weil sich somit die Luftfeuchtigkeit viel einfacher hoch halten lässt und das Klima besser ist, zum anderen, sind echte Pflanzen hygienischer und leichter zu reinigen als Kunstpflanzen. Als Pflanzen können Sie Ficus benjamini, Schefflera, Kaffee arabica, Ficus pumila, div. Asparagus und Farnarten verwenden. Bitte keinen Efeu oder andere giftige Pflanzen verwenden. Vorteilhaft sind Pflanzen mit kleinen Ästen oder Stängeln, damit die Tiere besser klettern können.
Bei der Einrichtung ist zu beachten, das Rieppeleon brevicaudatus Busch- und Strauchbewohner sind. Aus diesem Grund muss das Terrarium mit ausreichend dünnen sowie oft verzweigten Ästen ausgestattet sein. Es empfehlen sich zum Beispiel Haselnuss-, Buchen-, Weiden- oder Birkenäste, damit die Tiere das ganze Terrarium erreichen und den Raum gut nutzen können.

Beleuchtung: Über die richtige Beleuchtung gibt es bei den Stummelschwanzchamäleonarten sehr unterschiedliche Ansichten und Herangehensweisen. Es kann von Energiespar-Kompaktlampen über Leuchtstoffröhren bis hin zu HQI/HDI Lampen einiges verwendet werden.

Fakt ist, dass Rieppeleon brevicaudatus in den unteren 5% des Regenwaldes lebt und auch die Lichtmenge bzw. Lichtintensität sich hier widerspiegeln muss. Als Minimum muss eine Grundbeleuchtung vorhanden sein, dass das Terrarium gut ausleuchtet und eine Wärmespot (bspw. 20W Halogenspot).
Eine UV-Beleuchtung ist nicht zwingend notwendig, wenn entsprechend vitaminreich gefüttert wird. Meiner Meinung nach sollte man aber eine UV-Beleuchtung verwenden, damit die Tiere nicht an Rachitis erkranken können.

Für unsere Tiere verwenden wir einen 35W HQI/HDI Strahler der in ca. 15cm über dem Terrarium angebracht wird. Damit wird Licht, Wärme und UV-Strahlung in einem Leuchtmittel vereint und entspricht am ehesten der Natur.

Update: Da wir das Gefühl hatten, dass der 35W HDI Strahler den Tieren zu hell war, haben wir die Beleuchtung umgerüstet auf einen LED Streifen zur Grundbeleuchtung, einem 20W Halogenspot als Wärmequelle und einer 23W Tageslichtleuchte in Kompaktbauform mit einem niedrigen UV Anteil.

Wichtig ist nur, dass das Terrarium sich nicht zu sehr aufheizt und die Tiere sich nicht an dem Leuchtmittel verbrennen können und es außerdem dicht bepflanzt ist, da die Tiere direktes Licht vermeiden.
In jedem Fall muss jegliche Beleuchtung für Chamäleons außerhalb des Terrariums angebracht werden, denn die Tiere können sich sonst an dem Leuchtmittel verbrennen. Gerade die Metalldampflampen (z.B. Bright Sun, SolarRaptor u.ä.) werden sehr heiß und es besteht Verletzungsgefahr.

Rieppeleon Rhampholeon Terrarium

Haltungsparameter: Die Luftfeuchtigkeit sollte sich ganztägig zwischen 70-100% bewegen, Schwankungen entsprechen dem natürlichen Habitat und werden toleriert.
Tagsüber sollten die Temperaturen 22-25°C betragen, 28°C sollten nicht überschritten werden! Absolut unverzichtbar ist eine Nachtabsenkung auf unter 20°C, bis zu 15°C sind möglich. Werden diese Werte nicht erreicht, drohen ernsthafte Gesundheitsschäden. Man sollte vor der Anschaffung genau überlegen, ob man diese Temperaturen (auch im Sommer!) realisieren kann. Ist dies nicht möglich, sollte man zum Wohl des Tieres von einer Anschaffung absehen.

Futter- und Vitaminversorgung: Es können alle gängigen Futtertiere angeboten werden. Bewährt haben sich je nach Größe und Alter des Tieres: Micro oder kleine Heimchen, Terfly, Ofenfische, Drosophila, Bohnenkäfer und Erbsenblättläuse. Auch die Springschwänze aus dem Bodengrund werden gerne genommen.

Die Wasserversorgung wird bei uns durch das Sprühwasser, welches beim täglichen übersprühen der Terrariumeinrichtung entsteht, gesichert. Bitte verwenden Sie keine Wasserfällen oder Vernebler, auch wenn das nach Ihrem Empfinden “schön aussieht”, da das Wasser schnell verkeimt und die Tier erkranken können. Chamäleons sind sehr anfällig für Lungen- oder Augenentzündungen bei nicht sachgemäßer Haltung und können von einem auf den anderen Tag ohen Vorwarnung „vom Ast kippen“.

Die Futterinsekten müssen mit einem Vitaminpräparat vor ca. jeder zweiten Fütterung bestäubt werden. Wir verwenden Korvimin (erhältlich beim Tierarzt) oder Reptivite. Reptivite haftet an den Futtertieren besser als Korvimin.  Desweiteren sollten die Futtertiere über einen angemessenen Zeitraum zuvor angefüttert worden sein (goodloading). Wir verwenden für unsere Heimchen Repashy SuperLoad oder BugBurger. Man kann auch Haferflocken, Gurken, Karotten, Äpfel etc. verwenden, allerdings lassen sich die o.g. Produkte leichter anwenden und die Gefahr der Schimmelbildung besteht nicht, sind allerdings auch deutlich teurer.

Diese Haltungsbeschreibung beruht ausschließlich auf meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Diese Beschreibung wird ständig aktualisiert und angepasst. Konstruktive Hinweise und Korrekturen bitte über das Kontaktformular an mich.

Empfohlene Literatur:


Bitte beachten Sie auch noch die unten stehende Haltungsbeschreibung von Natalie Dennhardt. Diese ist allerdings zum jetztigen Zeitpunkt bereits 10 Jahre alt und entspricht nicht in allen Bereichen den neuesten Erkenntnissen der Chamäleonhaltung. Als allgemeine Information ist sie auf jeden Fall lesenswert.

 

Print Friendly, PDF & Email

2 Comments

  • Hallo Corinna,

    der Schutzstatus von Rieppeleon brevicaudatus hat sich inzwischen geändert. Die Gattungen Rieppeleon und Rhampholeon werden im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet. Der Schutzstatus ist in Kraft seit dem 04.02.2017.

    Viele Grüße
    Stefan

Leave a Comment

2 + 5 =