Beantragung einer Vermarktungsgenehmigung in Niedersachsen

EU Vermarktungsbescheinigung_klein
EU Vermarktungsbescheinigung_klein

Dieser Beitrag gilt analog auch für alle anderen Tiere, die im Anhang A der EU-Verordnung  338/97 aufgeführt sind. Die Lygodactylus williamsi gelten hier als Beispiel.

Nachdem die Lygodactylus williamsi nun seit Anfang 2017 der EU-Verordnung nach Anhang A unterliegen, muss bei einer Weitergabe der Tiere eine Ausnahme vom Vermarktungsverbot beantragt werden. Generell unterliegen Tiere die im Anhang A der o.g. Verordnung gelistet sind, einem Vermarktungsverbot.

Ausgenommen von diesem Verbot sind u.a. Nachzuchten, für diese muss aber beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eine Bescheinigung zur Ausnahme vom Vermarktungsverbot beantragt werden. Dieser Vorgang ist in Niedersachsen nicht besonders kompliziert, allerdings muss man -wie in Deutschland üblich- einige Formulare beibringen. Diesen Vorgang möchte ich im folgenden genauer beschreiben, alle Dokumente findet ihr auf der Seite des NLWKN oder unter dem Beitrag zum Download.

Bitte beachten: Inhalte dieses Artikels gelten ausschließlich für die Beantragung in Niedersachsen! In anderen Bundesländern kann sich der Sachverhalt völlig anders darstellen!

Zuerst einmal müsst ihr eine Tierbestandsmeldung ausfüllen. Diese Meldung wird für für alle Tiere benötigt, die im Anhang A und B der EU-Verordnung  338/97 gelistet sind.

Es ist unbedingt dieses Formular zu verwenden, ähnliche selbstgebastelte Formulare werden leider nicht anerkannt, mögen sie auch noch so ähnlich aussehen.

Jetzt wird es etwas anspruchsvoller. Für den Antrag auf eine Vermarktungsgenehmigung benötigt ihr ein Zuchtprotokoll.

Zuchtprotokoll

Im Zuchtprotokoll müssen sämtliche Eiablagen und der Schlupf akribisch dokumentiert werden. Dem Formular liegt eine weitere Seite bei, auf der jemand Drittes die Zucht bezeugen muss. Ihr braucht also jemanden, der die Eier, den Schlupf oder die Jungtiere bezeugen kann. Das kann ein Familienangehöriger oder Freund sein.

Zeuge Zucht

Nun geht es weiter mit dem eigentlichen Antrag für die Vermarktungsgenehmigung. In diesem Formular braucht ihr nur die blau hinterlegten Felder auszufüllen, den Rest füllt das Amt aus.

Antrag auf Vermarktungsgenehmigung2

Wichtig zu wissen: In Niedersachsen ist nach momentaner Aussage (Stand September 2017) der zuständigen Sachbearbeiter KEINE Kennzeichnung/ Fotodokumentation o.ä. der Lygodactylus williamsi erforderlich. Für Schildkröten, Vögel etc. gilt diese Ausnahme NICHT!

Auf der zweiten Seite können weitere Schlüpflinge aufgeführt werden, für die ihr die Ausnahmegenehmigung beantragen wollt. Entscheidend wird es noch einmal ganz unten:

Antrag auf Vermarktungsgenehmigung2

Hier müsst ihr euch entscheiden, ob euch eine Sammelbescheinigung reicht (alle Tiere gehen an einen Käufer) oder ob ihr für jedes Tier eine eigene Bescheinigung braucht. Diese zweite Variante wird wohl am ehesten zutreffen.

Wenn ihr euch bis hierhin erfolgreich durchgekämpft habt, könnt ihr den Antrag an das NLWKN abschicken.

EU Vermarktungsbescheinigung Kostenfestsetzung NLWKN

 

In meinem Fall dauerte die Bearbeitung und Zusendung der Unterlagen ca. 2 Wochen. Den Unterlagen liegt ein Kostenfestsetzungsbescheid bei, denn gratis gibt es die Bescheinigungen leider nicht. Ich habe für 5 Tiere die Unterlagen beantragt und musste 90€ bezahlen.

Ob es sich jetzt um eine pauschale Summe handelt oder ob 18€ pro Tier berechnet wurden, kann ich leider nicht sagen, da es aus dem Kostenbescheid nicht explizit hervorgeht.

Postet eure Erfahrungen gerne in die Kommentare, ich ergänze es dann im Beitrag.

 

Dem Käufer müsst ihr, wie bisher, zusätzlich zur EU-Bescheinigung, noch einen Herkunftsnachweis ausstellen. Da gibt es etwas mehr Spielraum bei der Gestaltung, es empfiehlt sich aber, z.B. den Herkunftsnachweis vom DGHT zu verwenden.

Jetzt steht einer Abgabe der Tiere an einen neuen Futterspender nichts mehr im Wege.

 

Print Friendly, PDF & Email

Download Anhang

3 Comments

  • Hallo Corinna,
    wie sich die Kosten des NLWKN genau zusammensetzen, weiß ich leider auch nicht. Aber laut der Allgemeinen Gebührenordnung (AllGO) können die Gebühren für eine Zulassung einer Ausnahme von den Besitz- und Vermarktungsverboten in Niedersachsen mit einer Gebührenpauschale zwischen 35,00 und 710,00 Euro abgerechnet werden. Vermutlich liegt (wie auch in einigen anderen Bundesländern) der geschätzte Marktwert einer beantragten Spezies dieser Gebührenpauschale zugrunde. Wenn du erneut oder jemand anderes eine Vermarktungsgenehmigung für eine abweichende Anzahl an L. williamsi beim NLWKN beantragt und hier berichtet, wäre die Differenz interessant zu wissen – falls eine vorliegt.
    Beste Grüße
    Marco

    • Hallo Marco,
      vielen Dank für Deine Anmerkung.
      Ich habe aus anderen Bundesländern von Gebühren zwischen 20-30€ pro Tier gehört, von daher liegen umgerechnet 18€ pro Tier eher im unteren Bereich. Vielleicht kann noch jemand Licht ins Dunkel bringen.

    • Update: Wie mir andere Halter bestätigt haben, wird in Niedersachsen pro Tier eine Gebühr von 18€ pro Einzelgenehmigung fällig. Unabhängig vom Verkaufswert, Art und der Anzahl der Tiere.
      Das ist ein erheblicher Nachteil ggü. z.B. Haltern aus Nordrhein-Westfalen, die Staffelpreise haben und Tiere damit deutlich günstiger anbieten können.

Leave a Comment

neun − 1 =